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Humboldt-Gymnasium Innenhof

Die Geschichte des Humboldt-Gymnasiums

 

Vorbemerkungen

Bis 1945 hieß allein die höhere Schule mit verbindlichem Latein- und Griechischunterricht „Gymnasium“, die Schule nur mit Lateinunterricht bei intensiviertem Neusprachenunterricht „Realgymnasium“ (bis 1882 „Realschule I. Ordnung“). Die Schule ohne Lateinunterricht bei intensiviertem mathematisch-naturwissenschaftlichem Unterricht „Oberrealschule“.

Die uneingeschränkte Hochschulreife wurde bis zur Reichsschulkonferenz im Jahr 1900 nur mit dem Reifezeugnis des Gymnasiums zuerkannt; danach war das Abitur aller drei Schulformen gleichberechtigt.

Nach 1945 wurde das Gymnasium zum „altsprachlichen Gymnasium“, das Realgymnasium zum „neusprachlichen Gymnasium“, schließlich die Oberrealschule zum „mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium“. 1974 wurden alle Gymnasien enttypisiert.

Die Klassen zählte man im Gymnasium rückwärts: Sexta (VI) = Klasse 5, Quinta (V) = Klasse 6, Quarta (IV) = Klasse 7, Untertertia (UIII) = Klasse 8, Obertertia (OIII) = Klasse 9, Untersekunda (UII) = Klasse 10, Obersekunda (OII) = Klasse 11, Unterprima (UI) = Klasse 12, Oberprima (OI) = Klasse 13. Die Zählung hat sich in Resten bis heute erhalten („Sextanereinschulung“).



28.05.1838: Im bewußten Gegensatz zum altsprachlich ausgerichteten Gymnasium wird von der Stadt Düsseldorf eine Realschule für Jungen gegründet, die in erster Linie neue Sprachen und Naturwissenschaften vermittelt. Die Schulzeit bestand aus sechs Jahren (Sexta bis Prima, heute ungefähr Klasse 7-12); die Sprachenfolge: ab Sexta Französisch, ab Tertia Englisch. Nach Prima wurde ein eingeschränktes Abitur vergeben, nach Sekunda die mittlere Reife. Das Gebäude der neuen Realschule ist zunächst der Anbau am Franziskanerkloster in der Citadellstraße, in dem vorher bereits das Gymnasium (später Hohenzollern- bzw. Goerres-Gymnasium) untergebracht war. Direktor war von 1838 bis 1870 Franz Heinen, der mit viel Engagement die Schule in Düsseldorf und Umgebung etablierte.

1840: Um das beliebte „Einjährige“, die veredelte mittlere Reife, vergeben zu können, wird der dafür notwendige Lateinunterricht eingeführt und fakultativ in Blöcken außerhalb der normalen Unterrichtszeit angeboten. Das Einjährige berechtigte zur Verkürzung der Militärzeit von drei Jahren auf ein Jahr und ermöglichte den Absolventen den Zugang zu den höheren preußischen Beamtenlaufbahnen.



1860: Die Schule wird zur Realschule I. Ordnung (ab 1882 Realgymnasium genannt) und zieht in einen neuen, von Martin Gropius entworfenen Bau an der Klosterstraße um, wo heute die Börse steht. Die Schulzeit verlängerte sich auf die erforderlichen neun Jahre (Tertia bis Prima gedoppelt) mit der Sprachenfolge: ab Sexta Latein, ab Quinta Französisch, ab Untertertia Englisch. Nach Oberprima gab es ein eingeschränktes Abitur, nach Untersekunda das Einjährige.

1872: Eine Bürgerschule (ein Vorläufer der heutigen Realschule) wird in dem alten Gebäude an der Citadellstraße gegründet. Sie verläßt schon nach einem Jahr ihren Standort und wird der Realschule I. Ordnung zugeschlagen und von ihrem Direktor auch verwaltet. 1878 verselbstständigt sich die Bürgerschule mit einem eigenen Direktor, 1887 zieht sie zum Fürstenwall um und wird zum heutigen Geschwister-Scholl-Gymnasium.

1883: Direktor Franz Kirchner, ein Altphilologe, richtet die ersten Gymnasialklassen ein. Er reagiert dabei auf die große Nachfrage von Eltern und Schülern nach Griechischunterricht, der das Vollabitur ermöglichte. Gleichzeitig nutzte er die Angleichung der Sprachenfolgen in Gymnasium und Realgymnasium seit 1882: ab Sexta Latein, ab Quinta Französisch, ab Untertertia Griechisch im Gymnasium, Englisch im Realgymnasium. Der Schüler brauchte sich also nur in Untertertia zwischen Griechisch oder Englisch zu entscheiden und wählte damit die Schulform. Damit wurde unsere Schule zum Gymnasium, was sie doch eigentlich gerade nicht sein wollte.

Exkurs: Gymnasiale Bildung

Wilhelm von Humboldt ist der Erfinder des neuhumanistischen Gymnasiums; wäre es nur nach ihm gegangen, hätten die Schüler eine zehnjährige Schulzeit gehabt (dreijährige Prima), ab Sexta sollte es Latein geben, ab Quarta Griechisch, während Französisch privaten Studien vorbehalten war. Doch dieser Entwurf Humboldts von 1816 wurde nie umgesetzt, schon 1837 war die Sprachenfolge am Gymnasium so festgelegt: ab Sexta Latein, ab Quarta Griechisch, ab Untertertia Französisch, verschärft im Jahr 1856: ab Sexta Latein, ab Quinta Französisch, ab Quarta Griechisch, an die Realgymnasien angeglichen 1882: ab Sexta Latein, ab Quinta Französisch, ab Untertertia Griechisch.
Der Gymnasiast hatte in dieser Zeit einiges zu leisten: neun Stunden Latein, sieben Stunden Griechisch und nur zwei Stunden Französisch. Die entscheidenden Klippen bei der Abiturprüfung waren die Übersetzung ins Griechische (1856 bis 1890), die Übersetzung ins Lateinische (bis 1920) und der lateinische Aufsatz (bis 1890).

1892: Französisch rückt in Quarta, Latein bleibt in Sexta, ebenso Griechisch und Englisch in Untertertia. Diese Sprachenfolge bleibt bis zur NS-Zeit verbindlich.

1911: Die Unterrichtsstunden (bisher 60 Minuten) werden auf 45 Minuten verkürzt, um den Nachmittagsunterricht zu vermeiden.

1918: Kriegserfahrungen und nationale Stimmung erwirken die Umbenennung der Schule in „Hindenburgschule“ mit ausdrücklicher Erlaubnis des Namensgebers.

1937: Die meisten Gymnasien werden in der NS-Zeit zu „Deutschen Oberschulen“: Die Schulzeit wurde auf acht Jahre verkürzt, Latein reduziert, Griechisch ganz aufgegeben. Die Hindenburgschule widerstand diesem Szenario und wurde ein reines Gymnasium. Zwar war die Schulzeit auch dort auf acht Jahre reduziert, doch ab Klasse 5 gab es Latein, Klasse 7 Griechisch, Klasse 9 Englisch, während Französisch nur noch fakultativ angeboten wurde.

1943: Das Schulgebäude an der Klosterstraße wird bei einem Bombenangriff zerstört.

1945: Neugründung der Schule als „Humboldt-Gymnasium, Städt. altsprachliches Gymnasium mit neusprachlichem (roman.) Zweig“, die Sprachenfolge: Klasse 5 Latein, Klasse 7 Englisch, Klasse 8 Griechisch oder Französisch. Rückkehr zu neun Jahren Schulzeit. Der Unterricht fand zunächst in mehreren Gastunterkünften statt, bis 1955 das heutige Schulgebäude gebaut und eröffnet wurde.

1955: Düsseldorfer Abkommen: Die Kultusministerkonferenz beschließt, verbindliche Standards für eine einheitliche Schulpolitik der Bundesländer festzulegen:
- Alle höheren Schulen heißen Gymnasium.
- Englisch ist Pflichtfremdsprache an Gymnasien.
- Nur noch zwei Fremdsprachen sind bis zum Abitur obligatorisch.
Das Humboldt-Gymnasium reagiert auf diese Vorgaben, indem es Englisch als erste Fremdsprache alternativ zu Latein anbietet, während in Klasse 7 Latein alternativ zu Englisch wählbar wird.

1957: Einweihung des Schullandheims in Waldbröl.

1964: Hamburger Abkommen: Die Kultusministerkonferenz beschließt weitere Maßnahmen zur Standardisierung des deutschen Bildungssystems. Die Beschlüsse dieser Konferenz sind bis heute maßgeblich für alle deutschen Schulen:
- neun Pflichtschuljahre (Grund- und Hauptschule statt achtjähriger Volksschule).
- dreigliedriges Schulsystem: Hauptschule, Realschule, Gymnasium.
- dritte Fremdsprache ab Klasse 9 statt ab Klasse 8, erste Fremdsprache Latein/Englisch, zweite Fremdsprache Englisch/Latein/Französisch, dritte Fremdsprache Griechisch u.a.
- Festlegung von sechs Notenstufen.
- Englisch Pflichtfremdsprache für alle Schulformen.
Das Humboldt-Gymnasium reagiert auf diese Vorgaben, indem es Französisch in Klasse 7 neben Englisch und Latein wählbar macht und Latein neben Griechisch und Französisch in Klasse 9 anbietet, sowie Englisch bis zum Abitur fortführt. Damit wird unsere Schule auch zu einem neusprachlichen Gymnasium.

1970: Der mathematisch-naturwissenschaftliche Zweig des Luisen-Mädchengymnasiums bezieht sein neues Gebäude an der Adlerstraße gegenüber vom Humboldt-Gymnasium und nennt sich nun Lise-Meitner-Gymnasium.

1972: Die ersten Mädchen besuchen das Humboldt-Gymnasium.

1973: Durchführung der Oberstufenreform (Kurse statt Klassen). Das Humboldt-Gymnasium bietet Griechisch und Hebräisch ab Klasse 11 als Zentralkurs allen Düsseldorfer Gymnasien und Gesamtschulen an.

1976: Die Wayzata Highschool, Plymouth, MN (bei Minneapolis), wird Partnerschule.

1983: Die Ecole Alsacienne, Paris, wird Partnerschule.

1988: Anschluss des Lise-Meitner-Gymnasiums an das Humboldt-Gymnasium.

1994: Einstellung des Lateinlehrgangs ab Klasse 9.

2002: Da inzwischen in den Grundschulen Englisch gelernt wird, wird am Humboldt-Gymnasium alternativ zu Englisch als alleiniger Eingangsfremdsprache die Kombination von Latein und Englisch in den 5. Klassen angeboten.

2003: Einführung von Italienisch als neueinsetzende Fremdsprache in der Oberstufe.

2004: Die Schule entschließt sich zu einem neuen Profil. In den folgenden Jahren wird ein musikalischer Schwerpunkt entwickelt und immer mehr ausgebaut: Jedes Kind kann am Humboldt-Gymnasium ein Instrument erlernen, der Musikunterricht wird verstärkt erteilt.

2005: Einführung von G8: Die zweite und dritte Fremdsprache werden um ein Jahr vorgezogen; die Oberstufe beginnt ab Klasse 10, ebenso die neueinsetzenden Fremdsprachen.

2008: Die Chengnan Middle School, Dazu (bei Chongqing), wird Partnerschule.

2009: Das Liceo Cassini, Genua, wird Partnerschule.

2011: Der musikalische Schwerpunkt wird um die Einrichtung einer Singklasse in Zusammenarbeit mit der Robert-Schumann-Hochschule, Düsseldorf erweitert.

2014: Um den musikalischen und kulturellen Austausch am Humboldt-Gymnasium auszubauen wird das Buca Isilay Saygin Güzel Sanatlar Lisesi in Izmir zur Partnerschule für die e-(Sing-)Klassen. Die Kooperation wird 2017 leider wieder beendet



Zur vertiefenden Lektüre seien die sechs Festschriften der Schule empfohlen:

Städtisches Realgymnasium mit Gymnasialklassen zu Düsseldorf. Festschrift zur fünfzigjährigen Gedenkfeier der am 28. Mai 1838 erfolgten Begründung des Realgymnasiums, Düsseldorf 1888.

Städtisches Gymnasium und Realgymnasium an der Klosterstraße zu Düsseldorf. Festschrift zur Feier des 75-jährigen Bestehens der Schule am 28. Mai 1913, Düsseldorf 1913.

Stolz, Heinz: 100 Jahre Hindenburg-Schule, Düsseldorf 1938.

Erdbrügger, Hermann Wilhelm (Hrsg.): Tradition und Gegenwart. Festschrift zur 125-Jahrfeier des Städt. Humboldt-Gymnasiums Düsseldorf, Düsseldorf 1963.

Lipski, Stephan (Hrsg.): Festschrift des Humboldt-Gymnasiums Düsseldorf zum 150 jährigen Bestehen der Schule (1838-1988), Düsseldorf 1988.

Humboldt-Gymnasium Düsseldorf (Hrsg.): Gemeinsam die Welt entdecken. 175 Jahre Humboldt-Gymnasium Düsseldorf. 1838-2013, Düsseldorf 2013.

Hendrich Schulte